Nagerbekämpfung: Rodentizide, Dauerbeköderung und digitale Fallen
Jahrzehntelang standen rund um Betriebsgebäude Köderboxen, die das ganze Jahr über mit Rattengift bestückt waren. Dieses Vorgehen ist heute grundsätzlich verboten: Antikoagulanzien dürfen nur bei festgestelltem Befall ausgebracht werden. Die bislang verbliebenen Ausnahmen sollen mit der Verlängerung der Produktzulassungen nach dem 30. Juni 2026 entfallen. An die Stelle des Dauerköders treten giftfreie Überwachung und Fallen, die per Funk melden. Stand dieser Seite: September 2026.
Wie Rattengift wirkt
Fast alle Rodentizide sind Blutgerinnungshemmer (Antikoagulanzien). Die Tiere sterben erst Tage nach der Aufnahme, sodass das Rudel den Köder nicht mit dem Tod in Verbindung bringt. Unterschieden werden zwei Generationen.
| Erste Generation | Zweite Generation | |
|---|---|---|
| Wirkstoffe | Warfarin, Chlorophacinon, Coumatetralyl | Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon, Flocoumafen |
| Wirkung | mehrfache Aufnahme nötig | eine Aufnahme kann genügen |
| Umwelt | weniger langlebig | persistent, bioakkumulierend, toxisch (PBT) |
| Verwender | weniger streng beschränkt | nur geschulte berufsmäßige Verwender |
Das Problem der zweiten Generation: Die Wirkstoffe reichern sich in der Nahrungskette an. Eulen, Greifvögel, Füchse und Marder fressen vergiftete Nager und vergiften sich selbst. Rückstände wurden auch in Fischen nachgewiesen, in die sie über die Kanalbeköderung gelangen.
Was rechtlich gilt
- Nur bei Befall. Der Einsatz von Antikoagulanzien ohne festgestellten Nagerbefall ist grundsätzlich verboten. Sie sind nicht zur Vorbeugung, nicht zur Befallserkennung und nicht zum Monitoring zugelassen.
- Bisherige Ausnahme. Eine strategische, befallsunabhängige Dauerbeköderung war in eng begrenzten Fällen an Eindring- und Einniststellen von Gebäuden zulässig, ausschließlich durch geschulte berufsmäßige Verwender und unter den Regeln der guten fachlichen Anwendung.
- Änderung 2026. Im Zuge der EU-weiten Neubewertung sind diese Ausnahmen nicht mehr vorgesehen. Sie entfallen mit den Entscheidungen über die Verlängerung der Zulassungen nach dem 30. Juni 2026. Maßgeblich sind immer die Anwendungsbestimmungen auf dem Etikett des jeweiligen Produkts.
- Gute fachliche Anwendung. Köder nur in gesicherten Stationen, regelmäßige Kontrolle, tote Tiere einsammeln, Bekämpfung zeitlich begrenzen, Köderreste am Ende entfernen, alles dokumentieren.
Was an die Stelle des Dauerköders tritt
Giftfreie Überwachung
Kontrollpunkte werden mit wirkstofffreien Ködern bestückt. Fraßspuren zeigen Nageraktivität an, ohne dass Gift in der Umwelt liegt. Erst wenn Befall nachgewiesen ist, folgt die Bekämpfung, mit Fallen oder zeitlich begrenzt mit Rodentizid.
Digital überwachte Fallen
Schlagfallen tragen einen Sensor, der jede Auslösung über ein Funknetz an eine Zentrale meldet. Andere Systeme zählen Bewegungen in der Köderstation oder erfassen Tiere mit Infrarot. Daraus ergeben sich vier Vorteile:
- Überwachung rund um die Uhr statt Stichprobe am Tag der Begehung
- Der Techniker fährt gezielt zur ausgelösten Falle, das tote Tier wird zeitnah entfernt
- Kein Wirkstoff, keine Sekundärvergiftung, keine Resistenzen
- Lückenlose, zeitgestempelte Daten für Audits und Trendanalysen
Grenzen der Technik
Digitale Fallen ersetzen die Begehung nicht. Bauliche Mängel, Hygienefehler und Insektenbefall erkennt kein Sensor. Funk funktioniert nicht in jedem Keller und Kühlraum. Die Anschaffung ist teurer als eine Köderbox, und bei starkem Befall reichen Fallen allein oft nicht aus. Fallen unterliegen in Deutschland bislang keiner Zulassung; das Umweltbundesamt hat deshalb Prüfmethoden für Wirksamkeit und tierschutzgerechte Tötung erarbeiten lassen.
Was Betriebe jetzt prüfen sollten
- Stehen auf dem Gelände noch dauerhaft mit Rodentizid bestückte Köderstationen ohne nachgewiesenen Befall?
- Ist im Vertrag mit dem Schädlingsbekämpfer geregelt, womit die Kontrollpunkte bestückt sind?
- Weist die Dokumentation für jede Rodentizid-Anwendung den Befall, den Zeitraum und die Entfernung der Köder aus?
- Sind die baulichen Eintrittswege geschlossen? Ohne Abdichtung wird jede Bekämpfung zur Daueraufgabe.
Hawlik & Hawlik
Der Betrieb ist nach DIN EN 16636 zertifiziert und arbeitet nach den Regeln der TRGS 523. Das Monitoring-Konzept mit Kontrollpunkten im Außen- und Innenbereich, regelmäßigen Begehungen und Hygieneordner ist auf der Seite Schädlingsmanagement, Schädlingsabwehr, Schädlingsmonitoring beschrieben. Welche Bestückung der Kontrollpunkte für Ihren Betrieb zulässig und sinnvoll ist, klärt die kostenlose Objektbesichtigung.
Hawlik & Hawlik arbeitet für Gewerbe, Industrie und öffentliche Einrichtungen in den Räumen Augsburg, München und Ulm. Vor jedem Angebot steht eine kostenlose Objektbesichtigung. Telefon (08230) 89 14 5 0, am Apparat ist immer eine Fachkraft aus Gablingen.
Häufige Fragen
Darf Rattengift vorbeugend ausgelegt werden?
Grundsätzlich nein. Rodentizide mit Antikoagulanzien dürfen nur bei festgestelltem Nagerbefall verwendet werden. Sie sind weder zur Vorbeugung noch zur Befallserkennung oder zum Monitoring zugelassen.
Was ändert sich 2026 bei der Dauerbeköderung?
Die bisher in engen Grenzen zulässigen Ausnahmen für eine befallsunabhängige Dauerbeköderung durch geschulte berufsmäßige Verwender sind nicht mehr vorgesehen. Sie entfallen mit den Entscheidungen über die Verlängerung der Produktzulassungen nach dem 30. Juni 2026. Maßgeblich sind die Anwendungsbestimmungen des jeweiligen Produkts.
Wer darf Rattengift der zweiten Generation einsetzen?
Nur geschulte berufsmäßige Verwender. Zur zweiten Generation gehören Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen.
Wie funktionieren digitale Fallen?
Ein Sensor an der Schlagfalle oder Köderstation meldet jede Auslösung oder Bewegung per Funk. Der Schädlingsbekämpfer sieht rund um die Uhr, welche Falle ausgelöst hat, und fährt gezielt dorthin.
Ersetzen digitale Fallen die regelmäßige Begehung?
Nein. Bauliche Mängel, Hygienefehler und Insektenbefall erkennt kein Sensor. Digitale Fallen ergänzen die Begehung und liefern Daten zwischen den Terminen.
Warum ist Rattengift für Greifvögel gefährlich?
Wirkstoffe der zweiten Generation sind langlebig und reichern sich an. Greifvögel, Eulen und Raubsäuger nehmen sie auf, wenn sie vergiftete Nager fressen.
Quellen
- Umweltbundesamt: Rodentizide
- Umweltbundesamt: Dürfen Rodentizide mit Antikoagulanzien auch ohne festgestellten Befall ausgebracht werden?
- Umweltbundesamt: Ausnahmen vom Verbot der befallsunabhängigen Dauerbeköderung
- Umweltbundesamt: Nicht-chemische Alternativen der Schädlingsbekämpfung (Prüfmethoden für Nagetierfallen)
- Hawlik & Hawlik: Schädlingsmanagement, Schädlingsabwehr, Schädlingsmonitoring
Abgerufen im September 2026. Aussagen zur Arbeitsweise von Hawlik & Hawlik stammen von der Website des Betriebs.
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